Bärenquell-Brauerei

Der Komplex entstand in unmittelbarer Nachbarschaft zu der historischen Ausflugsgaststätte Neuer Krug, als die von Max Meinert und von Kampfhenkel 1882 gegründete Brauerei Borussia. 1898 wurde die Borussia-Brauerei durch die Schultheiss-Brauerei AG aufgekauft, die den Standort als Brauerei Schultheiss, Abteilung IV fortführte und erweiterte. Dabei wurde zusätzlich zur schmalen Fläche zwischen Spree und damaliger Berliner Straße (heute Schnellerstraße) ein weiteres Grundstück in nordwestlicher Richtung erworben. Die Aufgabe des Standortes im Schultheiß-Verbund war die Versorgung des Berliner Umlandes. 1949 erfolgte die Umbenennung in Schultheiss-Brauerei Niederschöneweide, 1954 schließlich in VEB Schultheiss-Brauerei Niederschöneweide. Aufgrund eines Magistrats-Beschlusses vom 26. März 1959 wurden die sechs Ost-Berliner Brauereien als juristische Personen mit Wirkung vom 1. April 1959 aufgelöst. An ihre Stelle trat mit gleicher Wirkung die VEB Berliner Brauereien und wurde damit Rechtsnachfolger. Die Produktionsstätte Niederschöneweide bekam neu den Namen Bärenquell-Brauerei.

Nach dem Ende der DDR übernahm 1990 die Treuhandanstalt den Volkseigenen Betrieb und privatisierte diesen als Bärenquell Brauerei Berlin GmbH mit dem Produkt Bärenquell Berliner Pilsener Spezial. 1991 erwarb schließlich die hessische Henninger Bräu AG die Marke und führte die Produktion am Standort Niederschöneweide zunächst weiter fort. 1993 stellte die Henninger Bräu AG noch einen Bauantrag, für den einige historische Gebäude hätten weichen müssen, der vom Bezirksamt Treptow mit dem Verweis auf den Denkmalschutz abgelehnt wurde. Zum 1. April 1994 wurde schließlich die Bierproduktion ganz eingestellt. Lediglich der Vertrieb von Henninger blieb einige Jahre weiter am Standort. Die weitere Bierproduktion von Bärenquell erfolgte zunächst in Kassel, ersetzt wurde dabei im Untertitel Berliner Pilsener Spezial das Wort „Berliner“ durch „Original“.

Nachdem Henninger zunehmend in finanzielle Probleme geriet, letztlich auch selber von seinem hessischen Konkurrenten Binding-Brauerei übernommen wurde, verkaufte man die Rechte an Bärenquell an die Brauhaus Preussen Pils GmbH in Pritzwalk. Diese produzierte es dort als weitere Marke neben der Hausmarke Preussen Pils. 2006 wurde die Preussen Pils GmbH durch die Oettinger Brauerei übernommen. Ende 2008 stellte diese die Produktion in Pritzwalk ein, so dass seit 2009 kein Bier der Marke Bärenquell mehr produziert wird.

Als Architekten wirkten an der heute denkmalgeschützten Anlage vor allem Robert Buntzel, E. Holland und H. O. Obrikat mit. Ein Großteil der Gebäude auf dem Gelände stammt aus dieser Zeit, während von der eigentlichen Brauerei Borussia nur noch zwei Gebäude erhalten sind, das so genannte Beamtenwohnhaus (1882), einst Wohnsitz des Braumeisters und weiterer Bediensteter, und das Verwaltungsgebäude (1888), Sitz des Direktors. Letztere beide sind in jüngeren Planungen für das Gelände vom Abriss bedroht.

Aktuell findet ein Bebauungsplanverfahren für die Errichtung eines Baumarktes statt. Dabei sollen mehrere Gebäude, wie auch die an der Straßenfront zur Schnellerstraße aus den Jahren 1882 bis 1902, aus dem Denkmalschutz entlassen und zugunsten eines Neubaus abgerissen werden. Erhalten bleiben sollen lediglich das Maschinen- und Sudhaus sowie das Bierlager mit Kühlturm auf der südöstlichen Seite des Komplexes.

Statt Erhaltung und Instandsetzung haben Vandalismus, Brandstiftung und Diebstahl zum Verfall der Gebäude beigetragen. So wurden die meisten Kupfer-Kabel, viele Kanalabdeckungen und anderes von Metalldieben entwendet.

Quelle: Wikipedia

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Dokument erstellt am 05.08.2014
Letzte Änderung am 05.08.2014

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

1 Kommentar

  1. Dass solche historischen Gebäude, ja ein Stück Berliner ur-Geschichte einfach so dem Erdboden gleich gemacht wird ist traurig für die Berliner Kulturgeschichte und feige von der Politik. Aber dieses blöde Schloss, was eh schon abgerissen war, wird für viele Milliarden wieder aufgebaut. Wozu? Trauern wir der Monarchie nach? Fährt man jedenfalls weiter Richtung Schönefeld, dann sieht man die nächste Backsteinfabrik die platt gemacht wird. Im Westteil dagegen werden solche Gebäude restauriert. Ein Schelm, der böses dabei denkt.
    Tja, im Osten wurde der Krieg verloren……

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