Ausstellung „The Brutalist Playground“ im Vitra Design Museum

Churchill Gardens Estate, Pimlico London, 1978. Foto: John Donat - RIBA Library Photographs Collection

Die eigenwillig gestalteten Kinderspielplätze, die im Großbritannien der Nachkriegszeit gebaut wurden, sind zumeist vergessen. Der Brutalismus und seine ursprüngliche soziale Agenda sind stigmatisiert. Mit „The Brutalist Playground“ zeigt die Vitra Design Museum Gallery noch bis Ende April Neuinszenierungen der brutalistischen Spielplätze als Hybrid aus Installation und begehbarer Skulptur für Kinder und Erwachsene. Die Ausstellung entstand im Auftrag des Royal Institute of British Architects (RIBA), in Zusammenarbeit mit dem Architekturkollektiv Assemble (Gewinner des Turner Prize 2015) und dem Künstler Simon Terrill.

Während des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg begründeten Architekten in Großbritannien den Brutalismus. Dabei brachten sie eine kompromisslose Formensprache mit expressiven Gebäudeformen aus rohen und schweren Materialien hervor. Im ganzen Land entstanden Großsiedlungen mit eigenwillig gestalteten Kinderspielplätzen. Durch die Verwendung von Holz, Backstein und vor allem Beton sind die Spielplätze in Form und Material ihrer Umgebung angepasst und geben die Prinzipien des Brutalismus im Kleinen wieder.

Die Ausstellung rekonstruiert Fragmente von vier „brutalistischen“ Spielplätzen: „Flying Saucer“ aus den Churchill Gardens Estate, der Rutschturm aus dem Brownfield Estate und Stufenelemente aus dem Brunel Estate in London sowie ein Tunnel aus dem Park Hill Estate in Sheffield. Von Architekten und Stadtplanern befürwortet, sollten die Spielplätze Kindern einen Ort zum Spielen mit größtmöglicher Freiheit bieten. Die Konzepte galten in den frühen 1970ern schon wieder als überholt und wurden von Architekten und Pädagogen kritisiert. In der Folge sind viele der damaligen Spielplätze heute verschwunden. Verbannt ins Archiv, sind sie höchstens noch eigentümliche Fußnoten in der Geschichte der Nachkriegsarchitektur.

„The Brutalist Playground“ ermöglicht eine neue, unverfälschte Sichtweise auf die ursprünglichen Ziele und Entwürfe der damaligen Architekten. In der Ausstellung können Kinder – wie einst von den Architekten propagiert – „der Fantasie freien Lauf lassen“. Aber auch Erwachsene sind dazu eingeladen, die Spiellandschaften der 1950er bis 1970er und die darin zum Ausdruck gebrachten architektonischen Ideen zu entdecken.

The Brutalist Playground
Vitra Design Museum
Charles-Eames-Straße 2
79576 Weil am Rhein
14. Januar bis 30. April 2017
täglich von 10 bis 18 Uhr
www.design-museum.de

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