Ausbesserungswerk Duisburg-Wedau

1878 errichtete die Rheinische Eisenbahn das Bahnbetriebswerk (Bw) Wedau in Duisburg als Lokomotivwerkstätte um Stückgut- und Kohlezüge von und nach Süddeutschland, zwischen den Kalksteinwerken, Zechen, Stahlwerken und Häfen bespannen zu können. 1908 begann man mit den Vorarbeiten der Hauptwerkstatt, zwei Jahre später, also 1910 erhielt die Königliche Eisenbahndirektion Essen den Auftrag zum Grunderwerb. Im selben Jahr wurde ein Entwurf für eine Wagenwerkstätte in Auftrag gegeben. Als 1911 die ersten Geldmittel bewilligt wurden, begann man mit der Ausschreibung der Arbeiten und der Errichtung des Fundaments, deren Konstruktion bis ins Jahr 1912 ausgeführt wurde. Im Anschluss folgten die Aufstellung der Hallen und der Bau der Wohnungen in der Steinbruchstraße und am Werkstätteneingang für Bahnbedienstete.

1913 wurde der Rangierbahnhof eröffnet und zum Ende des Jahres siedelte die erste Gruppe von Arbeitern und Beamten aus Speldorf nach Wedau. Weiter erhielt man im selben Jahr die Kennzeichnung „Wd“ für die in Wedau abgearbeiteten und untersuchten Wagen. Während des Ersten Weltkrieges bewältigte die Werkstätte trotz der reduzierten Belegschaft viele Aufgaben für das Heer. Später wurden für die leichteren Arbeiten zusätzlich Frauen und Kriegsgefangene eingesetzt. Eine spezielle Werksküche und eine Schusterei wurden eingerichtet. Nach dem Krieg kam es im zu zahlreichen Ereignissen wie Streik, Aufruhr, Besetzung und Stilllegung. 1924 wandelte man die Werkstätte in das Reichsbahnausbesserungswerk Wedau.

1927 vergrößert sich die Arbeitnehmerzahl in Wedau. Durch die Schließung der Arnsberger und Betzdorfer Werkstätten werden die meisten Eisenbahner nach Wedau versetzt. Weiter wurden die Ausbesserungswerke Langenberg und Oberhausen an Wedau angegliedert und 1930 geschlossen. Ab 1936 befasste sich das Ausbesserungswerk mit Reparatur- und Revisionsaufgaben an Güter- und Schienentransportwagen. Es beaufsichtigte die beauftragten Privatwerke in Duisburg und Essen. Der Bedarf an Fachhandwerkern wuchs und die Einrichtungen des Ausbesserungswerks reichten für die Lehrlinge nicht mehr aus. Im selben Jahr wurde die Lehrlingswerkstatt vergrößert und eine neue Werkschule gebaut. In unmittelbarer Nähe wurde ein großer Sportplatz angelegt. Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren der westliche Teil der Richthalle sowie die Nebengebäude wie die Arbeitsaufnahmehalle, Maschinenschreinerei und Lager, Lackierhalle, Schmiede und Stofflager fertig gestellt. Der Krieg traf das große Werkgelände schwer, zahlreiche Gebäude wurden durch Bombenangriffe zerstört oder schwer beschädigt. Nach Kriegsende baute man diese jedoch wieder auf.

1957 errichtete man auf dem Gelände zentrale Fertigungsstätten für Zubehörteile wie Puffer, Zughaken und Bremsventile. Zwei Jahre später wurde das Ausbesserungswerks Mülheim-Speldorf geschlossen, die Eisenbahner fanden jedoch im Werk Wedau eine weitere Beschäftigung. 1961 übernahm man Mitarbeiter des Güterwagen-Ausbesserungswerkes Recklinghausen und die gleichzeitige Verlagerung der Fertigung von 5000 Großraumgüterwagen nach Wedau machte weitere Baumaßnahmen notwendig, daher errichtete man zusätzliche Krananlagen und neue stählerne Hallenstützen. Auch der Bürotrakt an der Westwand wurde erneuert. In den 60er Jahren beschäftigte die Bahn über 2.000 Mitarbeiter im Ausbesserungswerk Wedau.

Die Jahre gingen ins Land und das Ende der Ära der Dampfloks war gekommen. Hierdurch und durch Umstrukturierungsmaßnahmen der Bahn wurden Gleisstrecken und auch Werkshallen immer weiter reduziert. 1983 wurde erstmals über eine Schließung diskutiert. Das Ende für das Ausbesserungswerk Wedau kam 2003. Planungen der Bahn in die verschiedensten Richtungen, wie die Vermietung von Hallen für Veranstaltungen oder die Vermietung selbiger an private Organe wurden nicht realisiert. Das Gelände sollte von der Stadtentwicklung genutzt werden. Pläne, Teile des Geländes in die neue „Wasserwelt Wedau“ einzubeziehen, oder ein Mega-Wohngebiet zu erschließen scheiterten ebenso, wie der Verkauf des gesamten Areals, oder Teilen davon an Investoren. Derzeit (2011) findet auf dem ehemaligen Werksgelände regelmäßig ein Trödelmarkt statt.

Quellen: DerWesten, wedaulink.de, Wikipedia

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Dokument erstellt am 22.05.2011
Letzte Änderung am 03.07.2014

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.