Aus Werler Kasernenareal wird Naherholungsgebiet

Kirchengebäude auf dem Kasernenareal vor dem Rückbau. Foto: rottenplaces Archivfoto

Werl (aw). Viele Jahre bewies die Natur auf dem ehemaligen Kasernenareal im Stadtwald an der B63 in Werl (Kreis Soest) vorbildlich, was geschieht, wenn der Mensch das was er sich einst genommen hat, verlässt und nicht mehr hegt und pflegt. Die Rede ist von den Kasernen Fort Victoria und Fort Louis, im Volksmund Victoria Barracks genannt. Nach vielen Jahren des Leerstands und Verfalls kreist hier jetzt die Abrissbirne und entfernt jedes der 65 Gebäude – nach und nach.

Nicht mehr gerettet werden konnten die beiden Kirchengebäude, die Turnhalle, Mannschaftsunterkünfte und das truppeneigene Kino „Globe“. Die Folge war ein Totalabbruch. Diesen führen die Unternehmen Hugo Schneider GmbH und Bernhard Heckmann GmbH & Co. KG aus. Beide sind in Hamm ansässig. Das gemeinsame Projekt beinhaltet nach dem Rückbau aller Gebäude die Wiederaufforstung sowie den Bau eines Landschaftshügels – samt 35 Meter hohem Aussichtsturm. Sieben Jahre sind für das gesamte Projekt eingeplant. Kurz vor den eigentlichen Rückbauarbeiten hatten Interessierte bei so genannten „Sonntagsspaziergängen“ die Möglichkeit, Teile des besonderen Areals zu erkunden und sich über die anstehenden Planungen zu informieren.

Von 1953 bis 1970 nutzten die kanadischen Streitkräfte das Areal für ihre Zwecke. Stationiert war hier auch der truppeneigene Radiosender “ Radio Canadian Army Europe“ (CAE). Bis zur Aufgabe des Areals strahlte dieser Sender auf UKW für die kanadischen Soldaten in Deutschland aus. Die kleine UKW-Station, die sich im Nachhinein als einer der beliebtesten „Exoten“ erweisen sollte, erreichte am Ostrand des Ruhrgebiets – nahe des alten Hansestädtchens Werl gelegen – trotz einer verhältnismäßig geringen Sendeleistung von 250 Watt das gesamte Münsterland, das Ruhrgebiet bis zum Rhein und das vordere Sauerland, somit einen potentiellen Hörerkreis von mehreren Millionen Menschen. Am Sonntag den 18. Oktober 1970 sendete Stationmanager Barclay McMillan um Mitternacht seine letzte Ansage in deutsch, französisch und englisch. Danach wurde die kanadische Nationalhymne gespielt und dann schaltete „Texas“ Heinz Gunnesson den 250 Watt UKW-Sender für immer ab.

Von 1970 bis 1994 waren auf dem Kasernenareal Soldaten der britischen Rheinarmee stationiert. Seit der Räumung wurden alle Gebäude, wie Kirche, Kino und Mannschaftsunterkünfte dem Verfall überlassen. Nur ab und an trainierten Hundezüchter und -besitzer auf dem Areal. Unbefugte filmten und fotografierten, Vandalen richteten einen großen Schaden an und „Freizeitrambos“ nutzten das einstige Militärareal als Kiegsspielplatz. Bereits Ende Januar soll ein Großteil der Gebäude verschwunden sein.

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