Auguste-Viktoria-Klinik

Die ehemalige unter dem Namen Auguste-Viktoria-Stift gegründete Volksheilstätte im heilklimatischen Kurort Bad Lippspringe blickt auf eine wechselhafte Vergangenheit zurück. Nach dem Besuch der Kaiserin Auguste Viktoria 1897 in Bielefeld wurden von Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen Spendengelder gesammelt, mit dem Zweck, eine „Volksheilstätte“ zu errichten. Dabei fiel die Wahl schon früh auf Bad Lippspringe. Begünstigt wurde die Situation damit, dass in der Stadt bereits Lungenfachärzte arbeiteten und 55,5 Morgen Erbbaurecht für diesen Zweck gestiftet wurden.

So erfolgte die Grundsteinlegung für eine Klinik am 10. Juli 1900, dessen Schirmherrschaft die Kaiserin übernahm. In den beiden Folgejahren wurden zuerst zwei identische, vollunterkellerte Bauteile errichtet. So diente der Osttrakt katholischen und der Westtrakt evangelischen Patienten. Die feierliche Eröffnung der Klinik fand am 6. November 1901 statt, nur wenige Tage später startete der Klinikbetrieb. 1907/08 schloss man die Freifläche zwischen den Gebäuden mit einem Mitteltrakt.

Zur Fertigstellung des Mitteltraktes kam die Aufstockung der Gebäudestruktur auf 240 Betten, der Neubau einer evangelischen Kapelle sowie die Errichtung einer Dampfwäscherei dazu. Nördlich der Heilstätte wurde ein Wirtschaftsgebäude errichtet, dessen markanter Turm als Wasserhochbehälter und zur eigenen Versorgung diente. Wesentlicher Förderer des Klinikprojekts war der ehemalige Geschäftsführer des Heilstättenvereins und frühere Regierungs- und Geheimrat Dr. med. Otto Rapmund, der nach seinem Tod 1930 auf eigenen Wunsch auf dem Klinikpark beigesetzt wurde.

Um eine autarke Versorgung sicherzustellen, erwarb man in den Jahren 1910 bis 1929 zahlreiche Grundstücke, zum einen für die landwirtschaftliche Versorgung, zum anderen auch für den personellen Wohnhausbau. 1931 konnte durch eine Zahlung an die Stadt Bad Lippspringe das Erbbaurecht abgelöst werden. Fünf Jahre später legte man die Klinikverwaltung mit dem Cecilienstift zusammen. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde der evangelische Trakt 1944 von der Schutzstaffel (SS) beschlagnahmt und als Reservelazarett genutzt. 1945 beschlagnahmte die britische Armee den gesamten Klinikkomplex und quartierte hier lungenkranke sowjetische Kriegsgefangene ein.

Nach dem Krieg wurden in den Jahren 1958/59 der Verwaltungstrakt, das Personalwohnheim sowie Küche und Wäscherei neu gebaut. 1976 fusionierte die Auguste-Viktoria-Klinik mit dem Cecilienstift. Als 1984 die „Kuranstalten und Forschungsinstitute Bad Lippspringe GmbH“ den Verbund übernahm, wird diese wieder gelöst. Vier Jahre später wurden die Grundstücke und Häuser an der Von-Stein-Straße veräußert. 2010 kam das Ende der Auguste-Viktoria-Klinik. Als der Betrieb in die Räume der Klinik Martinusquelle verlegt wurde, blieben nur wenige Teilbereiche aktiv. Auch diese wurden später geschlossen, dann folgten viele Jahre Leerstand und Verfall.

2010 ging das Areal in den Besitz der Stadt Bad Lippspringe über, die alsbald ihre Planungen startete. Es begann ein jahrelanger Streit um Erhalt, Denkmalschutz oder Rückbau. Im Juni 2013 gründete sich der Verein „Auguste-Viktoria-Stift – erhalten und nutzen e. V.“, mit dem Ziel, Bad Lippspringes älteste und historisch bedeutsamste Klinik zu Erhalten und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.

Mitte März 2018 brachte der Kulturausschuss der Stadt Bad Lippspringe eine Denkmalbereichssatzung auf den Weg, die grundlegende Bereiche der einstigen Klinik nebst Umfeld dauerhaft schützen soll. Möglich sollen jedoch auch Umbauten und Veränderungen an Gebäuden und auf dem Areal unter Auflagen sein. Erhalten bleiben das Haupt- und Wirtschaftsgebäude sowie die Parkanlagen in den Flächen vor der Klinik. Diese Maßnahme bietet Denkmalschutz-Ablehnern und -befürwortern einen gleichwertigen Gestaltungskatalog, so ließt es sich zumindest. Südlich des Areals soll ein Wohngebiet mit etwa 50 Grundstücken entstehen. Zukünftige Eigenheimbesitzer haben bei ihren Plänen das historisch prägende Erscheinungsbild der Klinik zu berücksichtigen: Putz-Fassaden sind nur in hellen Farben erlaubt, Klinkerbauten nicht zulässig. Die Dächer müssen durchgehend mit roten Pfannen eingedeckt werden.

Über die Jahre kam es in der Klinik zu mehr als einhundert Einbrüchen, kombiniert mit Diebstählen, Sachbeschädigungen und Vandalismus in allen Formen. Mitarbeiter des örtlichen Bauamtes kamen mit der Behebung der Einbruchsspuren kaum hinterher. Der Sachschaden wird bis heute mit mehreren zehntausend Euro beziffert. Alleine die Kosten für die Unterhaltung und Sicherung des ehemaligen Klinikareals belaufen sich auf eine höhere, sechsstellige Summe. Am 16. September 2018 kam es zu einem Brand im Hauptgebäude. Hier standen zwei Patientenzimmer in Flammen. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen auf den Dachstuhl sowie angrenzende Gebäudeteile verhindern. Eine Selbstentzündung wurde ausgeschlossen.

Dokument-Information
Objekt ID: rp-034521
Kategorie: Heilung & Gesundheit
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Standort: keine Angabe
Baujahr: 1900
Denkmalschutz: nein
Architekt: keine Angabe
Objekt erfasst: 17.07.2018
Objekt erstellt: 29.09.2018
Letzte Änderung: 29.09.2018
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