Archäologen entdecken mittelalterliche Häuser in Steinheim

Die Rotfärbungen an den Steinen des Kellers zeugen von einer großen Hitzeeinwirkung - greifbare Spuren des Stadtbrand-Infernos von 1729? Foto: LWL/S. Spiong

Steinheim (lwl). Im Vorfeld von geplanten Baumaßnahmen setzen aktuell Archäologen einer Fachfirma in Abstimmung mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Ausgrabung in Steinheim (Kreis Höxter) fort. Die Fachleute legten gut erhaltene Keller aus dem Mittelalter frei und entdeckten auch deutlich ältere Funde aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Damit belegen die Augrabungen die jahrtausendelange Siedlungstradition in Steinheim. Das Grabungsgelände liegt zwischen der Detmolder Straße/Kreuzung Wallstraße und der Steinheimer Pfarrkirche St. Marien. Wo schon bald Neubauten und ein Parkplatz entstehen, sichern jetzt Wissenschaftler Überreste der Vergangenheit. „Zu den beeindruckenden Befunden zählen drei Keller“, beschreibt Grabungsleiterin Marianne Moser. „Die Wände aus Bruchstein zeigen rote Verfärbungen – die Spuren eines Brandes.“ Dazu passt auch, dass zwei Keller mehr als einen halben Meter hoch mit Brandschutt verfüllt waren. Zwei unbeschädigte Gefäße weisen auf das Schicksal der Bewohner hin: „Die Menschen verloren nicht nur ihre Häuser, sondern auch ihr Hab und Gut.“

Der südlichste Keller ist am besten erhalten. Er misst im Innenraum nur 2,30 Meter mal 3,60 Meter. Mit seinen sauber in den Lehm gesetzten Bruchsteinen aus Muschelkalk zeigt er die Geschicklichkeit seiner Erbauer. Im Südwesten führt eine Treppe in das einstige Erdgeschoss des Hauses. Als Besonderheit besitzt der Kellerraum eine Doppelnische in der Nordwand. Vermutlich diente sie als Wandschrank zum Beispiel für wertvolle oder schützenswerte Gegenstände. Auch hier zeigen die Wände die roten Verfärbungen durch ein Feuer. Das Feuer, das diese Gebäude zerstörte, könnte mit dem Stadtbrand von 1729 in Verbindung stehen. Der große Brand ist auch in schriftlichen Quellen überliefert. Bereits 2018 wurde ein wiederholt umgebauter Keller entdeckt. Anhand von Keramikscherben datieren die Archäologen die Entstehung dieses Hauses in das 13. Jahrhundert. Es gehörte wahrscheinlich zu dem ehemaligen Rittersitz Pohlhof. In Urkunden wird der Hof erstmalig im Jahr 1410 erwähnt.

Die Wissenschaftlerinnen stießen bei den Grabungen auch auf zahlreiche Gruben. „Mithilfe von Keramik konnten wir zwei Gruben in die sogenannte späte Römische Kaiserzeit datieren, also in das 3. und 4. Jahrhundert nach Christus.“ erläutert LWL-Archäologe Andreas Wunschel. Funde dieser Epoche traten 2018 erstmalig im Steinheimer Raum auf. Sie zeigen, dass schon lange vor dem Mittelalter Menschen hier gesiedelt haben. Die übrigen Gruben wurden vermutlich bis in die Neuzeit hinein angelegt. Hier wurde der Lehm abgebaut, der in diesem Bereich in einer mehreren Metern starken Schicht ansteht. Im Umfeld der Gruben finden sich noch Spuren von Pfostenlöchern. Dabei könnte es sich um die letzten Reste frühmittelalterlicher Holzhäuser handeln.

„Über die ältere Bebauung in Steinheim gab es bisher kaum Erkenntnisse“, fasst Moser die Ergebnisse zusammen. „Jede Ausgrabung wird ein Puzzleteil ergeben, das dazu beiträgt, diese Wissenslücke ein Stück weit zu schließen.“ Sie freue sich auch über die gute Unterstützung durch die Stadt Steinheim und die wissbegierigen und hilfsbereiten Steinheimer Bürger und Gewerbetreibenden.

Dies ist eine Pressemitteilung, die der Redaktion zugeschickt wurde, und die wir zur Information unserer Leser*innen unredigiert übernehmen.

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