Abhörstation Teufelsberg / NSA Field-Station

Abhörstation Teufelsberg. Foto: rottenplaces Archivfoto.

Der Kalte Krieg ist längst vorbei. Übrig geblieben sind diverse Relikte aus jener Zeit, so auch eine der wichtigsten Abhöranlagen der USA auf dem Berliner Teufelsberg. Bis zum Abzug der Spione 1993 galt das Areal als „top secret“. Die markanten Kuppeln der ehemaligen Abhöranlage auf dem 115 Meter hohen Teufelsberg sind von Ferne sichtbar. Der Teufelsberg ist ein Trümmerberg im Westen Berlins und mit 114,7 Meter über NN neben den Müggelbergen die höchste Erhebung des Stadtgebiets. Der Hügel – mit Aussicht über das Naturschutzgebiet Grunewald und die Havel – liegt im Ortsteil Grunewald (Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf) an der Teufelsseechaussee zwischen den S-Bahn-Bahnhöfen Grunewald und Heerstraße. Er hat seinen Namen vom nahe gelegenen Teufelssee.

An der Stelle des heutigen Teufelsbergs stand in den 1940er-Jahren der Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät, die im Rahmen des nationalsozialistischen Projektes „Welthauptstadt Germania“ gebaut werden sollte. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage gesprengt, teilweise abgerissen und als Baumaterial genutzt. Die verbleibenden Gebäudereste wurden ab 1950 mit Trümmerschutt aufgefüllt. Weitere Deponien wie der Insulaner, das Wilmersdorfer Stadion an der Fritz-Wildung-Straße (früher Lochowdamm), auf dem Gelände der ehemaligen Gasanstalt) hatten die vorgesehene Kapazität erreicht und konnten nicht weitergenutzt werden. 22 Jahre lang luden bis zu 800 Lastzüge täglich bis zu 7000 Kubikmeter Schutt ab; am 14. November 1957 wurde der zehnmillionste Kubikmeter angefahren. Bis 1972 wurden insgesamt 26 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt hier abgeladen. Das entspricht grob einem Drittel der Trümmer zerbombter Berliner Häuser und etwa 15.000 Gebäuden; dazu kam ein kleiner Anteil an Industrieabfällen und Bauschutt, der am Messedamm anfiel. Der künstlich aufgeschütte Teufelsberg wurde zum höchsten Berg im damaligen West-Berlin. Nach Beendigung der Ablagerung im Jahr 1972 wurde die Landschaft mit Sand und Mutterboden gestaltet und mit rund einer Million Bäume bepflanzt. Auch Wintersportmöglichkeiten wie einen Skihang, eine Rodelbahn, eine Sprungschanze und einen Schlepplift ließ der Senat herrichten. Anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 wurde auf dem Skihang sogar ein Weltcup-Slalom ausgetragen.

Nachdem das Freizeitgelände fertiggestellt war, entdeckte die US-Armee den Berg als hervorragenden Standort für eine Abhöranlage. Die anfangs mobile Installation zur Überwachung des Luftraums – insbesondere der drei Flugkorridore zwischen Berlin und der Bundesrepublik – wurde bald durch feste Gebäude abgelöst. Dazu wurden mit der Zeit fünf Antennenkuppeln errichtet, die Überwachungsaufgaben zur Zeit des Kalten Kriegs bis weit in das Gebiet des Warschauer Paktes übernahmen. Die Anlage auf dem Teufelsberg wurde nun hauptsächlich von der National Security Agency (NSA) betrieben und diente als Teil des weltweiten Spionagenetzes Echelon. Ab 1957 wurde die Anlage zusätzlich von folgenden amerikanischen und britischen Aufklärungs- und Sicherheitsdiensten genutzt:

• 1957 280th ASA Company of the U.S. Army Security Agency
• 1961 78th ASA Special Operations Unit
• 1966 54th Special Operations Command
• 1967 USASA Field Station Berlin
• 1977 U.S. Army Intelligence and Security Command (INSCOM)
• National Security Agency (NSA) 6912 Electronic Security Group of the U.S. Air Force
• RAF No 26 Signal Unit
• RAF No 13 Signal Regiment.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden die elektronischen Einrichtungen der Anlage entfernt, da sie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nutzlos geworden waren. 1991 zogen Amerikaner und Briten ab. Die Gebäude blieben stehen bzw. wurden sogar erneuert und neue Radaranlagen installiert, denn sie konnten ab 1999 zur zivilen Luftüberwachung des Flugverkehrs genutzt werden. Als Besitzer des 4,7 Hektar großen Areals der Abhörstation verkaufte es der Berliner Senat für 5,2 Mio. DM an die Kölner Investorengemeinschaft Teufelsberg KG (IGTB). Die Architekten von Gruhl & Partner führten in deren Auftrag 1998 Planungsarbeiten für die Errichtung eines Hotels mit Tagungszentrum, eines Spionagemuseums, exklusiver Wohnungen und einer Gaststätte durch. Das Bauprojekt scheiterte wegen des massiven Widerstandes von Umweltschützern und an den explodierenden Baukosten, der Investor meldete Insolvenz an. Bis zum Abbruch der Arbeiten wurden bereits einige Fundamente, ein Keller-Rohbau und das Muster einer Loftwohnung errichtet. Die Bauruinen sind mit einem Zaun gesichert und wurden bis Anfang 2003 bewacht. Aus finanziellen Gründen gab der Senat die Bewachung auf, was zu massivem Vandalismus führte. So ist seit 2005 wieder eine Wachgesellschaft mit den Sicherungsaufgaben betraut.

Spaziergänger nutzen den Teufelsberg gern als Naherholungsgebiet. Neugierige besuchen die ehemaligen Spionageanlagen, die jedoch auf Grund des schlechten Geländezustandes einschließlich ungesicherter Gebäudeteile offiziell abgesperrt sind. Weil bis Ende 2004 keine weiteren Baumaßnahmen durchgeführt wurden, verfiel die Baugenehmigung, und seit April 2006 ist das Gelände entsprechend dem Berliner Flächennutzungsplan „Wald“, also nichtbebaubares Gelände. Das Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin fordert eine Renaturierung des Geländes. Das setzt den Rückkauf des Geländes durch das Land voraus, eine Entscheidung, die nach Ansicht beteiligter Behörden nur von der Finanzverwaltung und dem Liegenschaftsfonds getroffen werden kann. Die Senatsverwaltung schließt einen Rückkauf aus, da auf dem Gelände Hypotheken von ca. 33 Mio. Euro lasten. Die Maharishi-Stiftung plante Ende Februar 2008 den Kauf des Geländes und erwartete, dass der Bezirk das Baurecht für eine „vedische Friedensuniversität“ mit insgesamt 24.000 Quadratmetern Nutzfläche und einem zwölfstöckigen und 50 Meter hohen „Turm der Unbesiegbarkeit“ für insgesamt 1000 Studenten erteilen würde. Der Filmregisseur David Lynch wollte sich mit seiner Stiftung David Lynch Foundation for Consciousness-Based Education and World Peace an der Finanzierung des Projekts beteiligen und legte einen symbolischen Grundstein.

Im Dezember 2008 gab die Maharishi-Stiftung die Verantwortung für den Bau der Friedensuniversität an das Bundeskanzleramt ab mit der Begründung, sie stelle lediglich das Wissen zur Verfügung. Das Bundeskanzleramt konnte den Eingang entsprechender Schreiben nicht bestätigen. Der Teufelsberg bleibe aber weiterhin „Pilotprojekt“ für entsprechende Einrichtungen in jedem Bundesland, mit geschätzten bundesweiten Kosten von fünf Milliarden Euro. Inzwischen läuft ein Rechtsstreit zwischen Eigentümer und der Stiftung, in dem die Stiftung den Kaufvertrag anficht. Der Eigentümer plant die Gebäude der Abhöranlage zu erhalten und plant dort etwas noch nicht konkretes im Freizeitbereich.

Bezirks- und Landespolitiker haben sich zwar für die Begrünung der Bergspitze ausgesprochen, doch wegen der Eigentumsverhältnisse ist dies vorerst nicht möglich. Die jüngste Nutzungsidee stammt von ehemaligen Angehörigen der amerikanischen Armee und US-Nachrichtendienste, die einst in der Abhörstation tätig waren. Die „Field Station Berlin Veterans Group“ schlägt vor, in den Ruinen ein Denkmal für den Kalten Krieg und eine Außenstelle des Alliiertenmuseums anzusiedeln. Zu den Unterstützern zählt der Verein „West-Alliierte in Berlin“, der dem Abgeordnetenhaus einen Petitionsantrag zugeleitet hat. Helmut Trotnow, Direktor des Alliiertenmuseums in Zehlendorf, sieht jedoch kaum Chancen für das Ansinnen der Veteranen – es komme um viele Jahre zu spät.

Ende 2013 gründete sich der Verein Teufelsberg e.V., der es sich zum Ziel machte, das Gelände der ehemaligen Field Station Berlin als Ort der Geschichte zu einem Kunst- und Kulturzentrum weiter zu entwickeln. Die Gruppe um den Bergpächter Shalmon Abraham herum war bereits seit Mitte 2012 aktiv und kümmerte sich darum, dass die Besucher des Teufelsberges das Gelände sicher betreten können. So wurden beispielsweise Absturzsicherungen am Hauptgebäude und eine neue Beleuchtungsanlage installiert. „Kunst und Kultur statt NSA und Co!“ – so beschrieb Shalmon Abraham das neue Motto des Teufelsberges. Auch künstlerisch tat sich einiges auf dem Berg – im Gebäude unter den drei Radomen befindet sich statt der ursprünglich geplanten Luxuswohnungen nun die größte Streetart-Gallery in Europa. Besucher aus der ganzen Welt sind vor allem am Wochenende auf dem Teufelsberg zu Gast und sind immer wieder beeindruckt von der Aussicht, den Kunstwerken aber natürlich auch von der Geschichte der NSA Station mitten im Grunewald in Berlin.

Im Jahre 2015 verließ Salomon die Field Station, die nun von einem neuen Pächter verwaltet und entwickelt wird.

Führungen

Der Teufelsberg, bzw. das Gelände der Field-Station kann offiziell begangen werden. Informationen zu Öffnugnszeiten und Preisen finden Sie auf www.teufelsberg-berlin.eu. Hier können Besucher einen der spektakulärsten Blicke über die Stadt Berlin genießen sowie die Street-Art-Galerie mit ihren Fassetten der vergänglichen Kunst erleben.

Quelle: Tagesspiegel, Wikipedia

Weiterführende Links

www.fsbvg.homestead.com
www.west-alliierte-in-berlin.de
www.teufelsberg-berlin.eu

Dokumenten Information
Copyright © rottenplaces 2010
Dokument erstellt am 26.09.2010
Letzte Änderung am 30.11.2015

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André Winternitz, Jahrgang 1977, ist freier Journalist und Redakteur, lebt und arbeitet in Schloß Holte-Stukenbrock. Neben der Verantwortung für das Onlinemagazin rottenplaces.de und das vierteljährlich erscheinende "rottenplaces Magazin" schreibt er für verschiedene, überregionale Medien. Winternitz macht sich stark für die Akzeptanz verlassener Bauwerke, den Denkmalschutz und die Industriekultur.

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