Abbruch oder nicht? Letzte Entscheidung wird im Mai getroffen

Ehemalige Lederfabrik Sohre in Freital. Foto: rottenplaces Archivfoto

Freital (aw). Kein Thema beschäftigt die Freitaler seit Langem so wie die Zukunft der ehemaligen Lederfabrik Sohre. In den letzten Jahren war ein erbitterter „Kampf“ entfacht – während die einen den Abbruch herbeisehnten, wollten andere die marode Industrieruine um (fast) jeden Preis erhalten. Wie die „Sächsische Zeitung“ berichtet, könnte das Ende der Immobilie schneller kommen, als bisher vermutet. Im Mai wird das zuständige Landratsamt Pirna eine Entscheidung treffen. Die Behörde ist für die finale Entscheidung gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege zuständig, weil die frühere Lederfabrik unter Denkmalschutz steht.

Die Entscheidung trifft die Behörde nach dem Grundsatz, ob ein Erhalt für die Stadt sinnvoll wäre. Ein Erhalt wird dann gültig, wenn die Mehrkosten im Vergleich zu einem Rückbau günstiger ausfallen. Dies ist selten der Fall. Und so verweist das Landesamt für Denkmalpflege auf eine bundesweite Rechtsprechung, nach der eine Größenordnung sogar bis an die 20 Prozent heranreicht. Aktuell wird geprüft, wie der Gesamtzustand der Industrieruine ist und welche Kriterien in puncto Denkmalschutz bedeutend sind. Geprüft wird aber auch, welche Alternativen möglich wären.

Die Stadt hat bis zu heutigen Zeitpunkt gleich mehrere Gutachten anfertigen lassen. Wie erwartet kommt jedes davon zu dem Ergebnis, dass ein Abbruch die sinnvollste Maßnahme ist. Eine Sanierung würde schätzungsweise rund 8,7 Millionen Euro kosten, davon müsse die Stadt mindestens 3,8 Millionen Euro selber tragen, heißt es. Ein Abbruch schlägt da mit rund 1.5 Millionen Euro zu Buche. Demnach ist ein Erhalt des Gebäudes für die Stadt nicht zumutbar. Das Landesamt für Denkmalschutz und das Denkmalamt des Landkreises müssten nach sächsischem Denkmalschutzgesetz also eigentlich einem Abbruch zustimmen. Das Verfahren hatte sich nun in die Länge gezogen, weil dem Landkreis noch gewisse Unterlagen für eine Entscheidung fehlen.

Da wären zum einen die Unterlagen zur Dokumentation (inklusive Fotos) der Lederfabrik. Der Denkmalstatus bleibt auch dann bestehen, wenn die Immobilie abgerissen und nur noch virtuell in einem Archiv existiert. Des Weiteren fehlen noch detaillierte Gutachten, darunter jene zur baulichen Beschaffenheit und zu Altlasten, aber auch Wirtschaftlichkeits- und Zumutbarkeitsbetrachtungen. Sollten diese Unterlagen eingegangen sein, wird man innerhalb einer zweimonatigen Frist entscheiden, teilt der Landkreis mit.

Die Geschichte der Lederfabrik Sohre geht bis in das Jahr 1842 zurück, 1991 wurde die Produktion hier eingestellt. Große Teile der einstigen Lederfabrik im hinteren Teil des Geländes wurden seitdem abgerissen, im Jahr 2004 öffnete ein Supermarkt auf einem Teil der revitalisierten Flächen. Die noch erhaltenen Gebäudeteile stehen unter Denkmalschutz, werden aber nicht genutzt. Pläne vor einigen Jahren, in dem Gebäude das Finanzamt für den Landkreis einzurichten oder den neuen Sitz von Schulaufsicht und sächsischer Bildungsagentur hierher zu verlegen, scheiterten.

2015 hatte die Stadt ein Altlastengutachten in Auftrag gegeben, dass einmal über die Zukunft der Industrieruine entscheiden und Kenntnisse aufzeigen sollte, wie aufwendig eine Sanierung wäre und welche Kosten diese mit sich bringen würde. Im selben Jahr sprach sich Rumberg gegen einen Erhalt der Fabrikruine aus. Zwei Jahre zuvor hatte die Stadt das Grundstück samt Immobilie nach einem Stadtratsbeschluss für 750.000 Euro gekauft, um Selbiges zu entwickeln. Zwei Drittel der Summe waren Fördermittel.

Die Stadt Freital, und mit ihr Bürgermeister Uwe Rumberg (CDU), rechnet mit einer endgültigen Entscheidung für die Zukunft der Lederfabrik bis spätestens Ende Juli 2018 (wir berichteten). Dann wäre laut Rauthaussprecher Matthias Weigel der späteste Termin für den Abbruch. Bleibt also abzuwarten, wie ernst die Denkmalschützer sich mit den Gegebenheiten der früheren Lederfabrik auseinandersetzen und wie hartnäckig sich diese in selbigem Fall zeigen.

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