Abbruch des Bochumer Opel-Werks wird dokumentiert

Abbruch im großen Stil beim Opel-Werk. Foto: Dieter Link-Stern
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„Schicht im Schacht“ – so hat ein ehemaliger Opelaner seinen Blog genannt, für den der Abbruch des ehemaligen Opel-Werks in Bochum an der Wittener-Straße dokumentiert wird. Dieter Link-Stern möchte auch zukünftig an das einstige Traditionsunternehmen erinnern und im Internet ein Archiv zur Werksgeschichte aufbauen. Die Idee zu diesem Blog entstand bei einem Gespräch mit damaligen Kollegen, aber auch bedingt durch die eigene Familiengeschichte. „Mein Vater war Bergmann in Langendreer, aber von der Zeche sieht man heute nichts mehr, es existieren nur noch Archivaufnahmen. So wird es auch irgendwann dem Opel-Werk ergehen. Die industrielle Geschichte des Geländes, das erst eine große Zeche, dann das Opel-Werk war und nun ein Logistikstandort wird, muss zeitgeschichtlich konserviert werden“, sagte Link-Stern dem rottenplaces Magazin im Interview.

Mehr als 42 Jahre war der Waltroper im Unternehmen beschäftigt. Mit einer Ausbildung zum Betriebsschlosser begann die Laufbahn im Bochumer Werk, später wurde er in diversen Bereichen eingesetzt, machte seine Meisterausbildung und arbeitete bis zur Schließung 2014 im Facility-Management. „Es ist schade, das ein Werk nun verschwindet, das viele Jahre fester Bestandteil im gesamten europäischen Opel Konzern war. Die Opelaner haben über viele Jahre immer ein Superprodukt hingelegt und sind auch beim Aufbau von anderen Opel- oder GM-Werken immer hilfreich gewesen. Aus diesem Grunde ist es bedauerlich, dass zum einen das Werk, aber auch die Leute – man kann es ruhig Vernichtung von Humankapital nennen – nicht mehr existent sind“, so Link-Stern.

Dieter Link-Stern dokumentiert den Opel-Abriss. Foto: Benjamin Hahn via D. Link-Stern
Dieter Link-Stern dokumentiert den Opel-Abriss. Foto: Benjamin Hahn via D. Link-Stern

Der Blog entwickelt sich mittlerweile zu einem Selbstläufer. Kein Wunder, denn nicht nur für Bochumer und Ehemalige ist das einstige Opel-Werk ein Wahrzeichen, wie die Jahrhunderthalle, das Colosseum, der Bismarckturm oder das Stadion des VfL. Fast täglich pilgern Menschen aber auch ehemalige Opelaner zur Baustelle, machen Fotos oder diskutieren mit anderen „Betroffenen“. Für viele ist das Geschehen und das Geschehene noch immer ein Stich ins Herz. Ein bisschen Wehmut kommt auch bei Link-Stern hoch, wenn er sich zu seinem ehemaligen Arbeitgeber aufmacht, um neue Fotos der Abbruchphasen zu fertigen. „In die Lackiererei, ins Presswerk sowie in andere Produktionsanlagen wurde einmal viel Geld investiert, alles ist unwiederbringlich verloren!“

Unterstützt wird Link-Stern beim Blog auf technischer Seite von einem Freund, ein Anwohner des Opel-Werks liefert ergänzendes Bildmaterial. Auch die Stadt Bochum zeigt sich hilfsbereit. „Es wäre schön, wenn mir historische Aufnahmen, die der ein oder andere sicherlich noch in seinem Besitz hat, zur Verfügung gestellt werden“, sagt der Waltroper. Auch die Solidarität, die Link-Stern erfährt, scheint grenzenlos zu sein. Vor einiger Zeit durfte er in das Innere eines Kirchturms klettern, um eine Aufnahme von oben zu bekommen. „Als ich mich als ehemaliger Opelaner vorstellte, wurden mir die Türen ohne Zögern geöffnet“, berichtet Link-Stern. Derzeit wird noch ein Standort gesucht, der es ermöglicht, den weiteren Abriss auch von weiter oben zu dokumentieren.

Und während sich die Bagger von Gebäude zu Gebäude fressen und eine Bochumer Landmarke unaufhaltsam verschwindet, ist Link-Stern immer mit der Kamera dabei. Für die Zukunft plant der Ex-Opelaner weitere fotografische Sichtweisen aus verschiedenen Perspektiven, Gespräche mit Ehemaligen oder Zeitzeugen und vielleicht sogar einen Bildband rund um die Geschichte sowie den Abbruch des Opel-Werks. (aw)

Zum Blog gelangen Sie unter www.schichtimschacht.eu

2 Kommentare

  1. Der Artikel ist sehr informativ – besonders die Bilder sind sehr hilfreich um etwas über Abbrucharbeiten zu lernen. Abbrucharbeiten sind mit viel Arbeit verbunden.

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